Es war einmal in einem mir nur zu bekannten Bukkakeland. Es lag nicht etwa tief im Wald oder hinter sieben Wipfeln. Nein, es lag mitten in Wilmersdorf am Bundesplatz. Ab viertel vor elf strömten die unterschiedlichsten Herren dort ein: schmerbäuchige Ehemänner, ein aktiver Pornodarsteller mit einem braungebrannten Adoniskörper (der blonde Schönling ist auf diversen Filmen von fundorado in Aktion zu bewundern und heute ist er hier, hat genauso bezahlt wie wir alle), einsame Singles und zahlreiche Nasen, die nach Geblasenwerden, Gesichtsbesamen und Gehen süchtig geworden sind, da ich sie schon so oft in diesem zauberhaften Bukkakeland am Bundesplatz traf.
Wir alle ließen uns am Eingang um fünfundzwanzig Euro erleichtern und erlebten einen nervösen Jürgen von den Wichsfreunde-Veranstaltern: „Sie ist nicht da, die Frau ist noch nicht da, ich werde noch verrückt!“ Im Grunde sprachen wir alle Jürgen erst einmal Mut zu, den Glauben an eine verspätete Ankunft von Lisa nicht aufzugeben. Manche zogen sich aus und mache behielten ihre Kleidung an, womit sie einen gewissen Pessimismus zur Schau trugen, ob das weibliche Anspritzobjekt der Begierde denn wirklich noch käme. Der Kaffeeautomat, vielgerühmt im Forum, sorgte mit seinem preisgebenden Gesöff für eine koffeingeschwängerte Hochstimmung. Um zwanzig nach elf bedanken sich zwei junge Männer aufrichtig für den guten Kaffee, zogen ihre Mäntel an, ließen sich ihr Geld zurückgeben und machten ihrem sicher berechtigten Ärger darüber, hier ihre Mittagspause ohne Sinn verplempert zu haben, verbal keine Luft, was für ihre gute Kinderstube spricht. Und in der Tat passt ihr fatalistisches Verhal

ten ganz gut in die umgängliche Art der hier versammelten Gemeinschaft.
Fast alle abschließbaren Spinde des Sexkellers sind belegt, so zahlreich sind die Männer erschienen. Und dann passiert etwas, woran man schon kaum mehr zu hoffen wagte: Lisa kommt.
Im Schlepptau bringt Lisa mit: einen Ehemann, der zahlreiche große Sporttaschen trägt, und zwei kleine Hunde. Letztere benehmen sich wie verspielte Jungtiere und sehen aus wie Möpse. Wir werden jedoch schnell aufgeklärt, dass es französische Bulldoggen seien. Großes Hallo, Entschuldigung für die Verspätung, ein umgekippter Laster hätte sie auf der Fahrt von Hannover nach Berlin aufgehalten und die erste Frage geht an Phil, den Veranstalter der Wichsfreunde: „Wo ist das Bad – ich bin gleich für euch bereit.“
Es kommt ein wenig Bewegung in den auf Wartestellung gepolten Männerhaufen, was als Endresultat freie männliche Ober- und Unterkörper zeitigt. Die französischen Bulldoggen werden in eine Art mitgebrachtes Hunde-Kinderbett gestellt, aus dem es keine Fluchtmöglichkeit für sie gibt, während Lisa vollkommen nackt aus dem Bad richtig Spielzimmer eilt. Es wird in der Folge sehr lustig zu beobachten sein, wie die beiden Hunde ihre Ohren durch weites Aufstellen spitzen, wenn ihr Frauchen Lustschreie ausstößt, weil ihr gerade ein männlicher Orgasmusbeweis ins Gesicht geflogen kam.
Lisa hat wahnsinnig lange blonde Haare, die ihr bis zum Hintern gehen. Ihre Haut ist ganz weich und fühlt sich sehr zart an. Sie trägt untenrum einen Brazilian Triangle (ein Haarflaum in Form eines Dreiecks oberhalb der Schamlippen ist stehengelassen). Und als der erst
e Mann nach der Geschmacksprobe, einen Digital-Verkehr beginnen will, werden wir alle Zeuge ihres Befehls: „Finger raus!“
Ich beobachte die Szenerie, was ja einen Teil des Genusses solcher Bukkakes ausmacht. Sie kündigte in ihrem Werbetext vielsprechend „einfach deinen Schw*nz hinhalten, den Rest erledige ich“ an, und das sie drei Hobbys habe: erstens Blasen, zweitens Blasen und drittens Blasen. Lisa hat keinerlei Berührungsängste mit Sperma, aber ich beobachte eine unübliche Zurückhaltung der Männer, der Frau das eigene Gemächt in den Mund zu legen. Der erste Herr rubbelt nämlich sein Auslaufmodell mit Intimabstand zum Coming-Out und trifft durchaus gekonnt Haare und Stirn. Ist das eine Marotte von ihm, haben ihn Lisas tollen langen Haare erotisch so sehr fasziniert oder gibt es dafür unter Umständen einen anderen Grund? Oberhalb ihrer linken Lippe blüht ein frischer Herpesausschlag. Das hemmt spürbar die Faszination für die geile Gesamtsituation. Und gehört, trotz aller Begeisterung mit der ich bei solchen Events stets dabei bin, der Ehrlichkeit halber in einen solchen Erlebnisbericht hinein. Man verzeihe mir bitte das Ansprechen dieses nicht ganz unwesentlichen Details. In der Folge lasse ich, als ein Platz zu ihrer rechten frei wird, deutsche Handarbeit zu, vermeide jedoch Oralverkehr, so sehr ich ihn sonst anstrebe. Mein Treffen wird dirty-talk-mäßig von Lisa kommentiert. Ich wasche mich im Bad, benutze die desinfizierende Seife und grüble über meinen Hang zur Hypochondrie.
Im Pausenraum und in der Küche plaudere ich in der Folge einfach zu viel, aber das hat den wunderbaren Nebeneffekt, man lernt sich ein wenig kennen, erhält Einblicke über die Motivation der einzelnen Teilnehmer, erfährt von den Empfindungen der Anderen beim Event. Dann greife ich ein kostenloses Probeexemplar der neuen Zeitung von Berlinintim ab und sehe mit Erstaunen, dass sogar die sehr wenigen redaktionell aussehenden Beiträge in dieser Zeitung mit dem Wort Anzeige klein übertitelt sind. Einzig die Story der Berliner Escortlady Ariane und der Beitrag der szenebekannten Rechtsanwaltskanzlei Dörre, die über die richtige Reaktion bei Abmahnungen Auskunft erteilt, sind lesenswert, geben jedoch kein Herrschaftswissen preis. Ein Lesbenporno läuft über den großen Flachbildschirm im Pausenraum und die meisten Männer mampfen eine Banane. Ich wähle eine besonders reife der krummen gelben Früchte und sie schmeckt mir.
Gut schaut sie aus, die Lisa, wie sie am Ende des Events frisch geduscht mit einem Handtuch vor uns steht, was mehr zeigt als es verdeckt. Und es wird wieder mal deutlich, was die Wichsfreunde den Profi-Veranstaltern Voraus haben: die Echtheit. Die Frauen der Wichsfreunde lieben, was sie tun und das vermittelt sich jedem Mann. Genau dieses positive Lebensgefühl, die Freude am Sex und der Spaß an der Aktion vermitteln sich so fast nie im Bordell nebenan.