„Bist du schon da“, vernahm ich ihre im entspannten Tonfall gestellte Frage, die ich wahrheitsgemäß bejahte. An einem bewölkten Sommertag mit Angstschweiß auf der Stirn und unter den Armen saß ich in einem Steakhaus. Wer da gerade auf meinen Mobiltelefon anrief war niemand anderes als die Escort-Lady und Pornodarstellerin mit eigener Produktionsfirma Sarah.
Aus der Berliner U-Bahn entstieg sie der verkehrsreichen Unterwelt und betrat den Straßenasphalt der Hauptstadt. Ich habe sie gleich erkannt: hautenge Jeans, superschlank, ein schwarzes Top mit tiefem Dekolletee, dezent geschminkt und mit tiefschwarzer Sonnenbrille. Als sie mir vor der roten Fußgängerampel wartend zu meinem Restaurantplatz zuwinkte, hob ich hocherfreut meine Hand. Ich hatte im Internet, bezeichnender Weise in einem Forum, dass das Thema Sperma im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt, Kontakt mit ihr aufgenommen. Und sie schrieb zurück. Locker und intelligent. Auf meine Anregung hin eröffnete ich nach vorheriger Absprache in diesem Forum eine Rubrik, die ich nannte: Spritzer fragen – Sarah antwortet. Sarahs Repliken waren von einer Aufrichtigkeit und einem sich stark vermittelnden, ungekünstelten sexuellen Interesse geprägt, sodass jedes männliche Forenmitglied sie wohl spontan in sein Herz schloss.
Sarah suchte im Forum Männer, die sie vor der Kamera zwischenbeinlich bearbeiten, um die Aufnahmen dann unter dem Titel „vom Fan gefickt“ auf ihrer kostenpflichtigen Homepage einzustellen. Ein Pornostar fickt jedermann, sofern er denn einen Volltest vorweisen kann, der die unwahrscheinlichen sexuellen Krankheiten wie HIV und die wahrscheinlicheren sexuell übertr
agbaren Malaisen wie einen schicken Genitalpilz ausschließt. Völlige Sicherheit gibt’s nicht – im Leben bekommt man alles immer nur inklusive, in diesem Fall inklusive einem Restrisiko, sich trotz negativem Testergebnisses anzustecken. Und dann suchte Sarah noch Männer für die Mittagspause, die sie zum Essen einluden und ihr dafür als Gegenleistung einmal ins Gesicht spritzen durften. Diesem Angebot konnte ich nicht widerstehen. Und so fand unser heutiges Treffen aus einem eindeutigen Grund statt. Essen gegen Spermastaubefreiung. Vorspeise: gemeinsames Mampfen und Quatschen. Hauptgericht: Gesichtsbesamung.
Wir unterhielten uns zunächst über das Wetter. Der Gesprächseinstieg verlief damit adäquat zu jeder anderen profanen Zufallsbekanntschaft, die im Gegensatz dazu nur leider nicht mit dieser Garantie für ein entspanntes Ende stattfindet. Schon bald fielen Worte, die eine Frau sonst wohl eher selten an einem schnieken Restauranttisch fünf Minuten nach dem ersten Begrüßungs-Handshake in den Mund nimmt. Witzig zu spüren, dass selbst ein junge Frau, die sich aufgrund ihres Berufes überflüssige Schamgefühle erfolgreich abgearbeitet hat, dennoch Worte wie Porno mit unterdrücktem Stimmvolumen aussprach. Geradezu köstlich mitzuerleben, wie unser Gespräch stets abrupt abbrach, sobald die Serviererin in Tischnähe zu kommen drohte.
Mir wurden sehr interessante Einblicke in die aktuell so schwierige Situation der deutschen Pornoindustrie gewährt und Namen, die ich bislang schon mal dunkel am Internethorizont mitbekommen hatte, wurden von ihr plastisch vorgestellt, wodurch ich mir ein gutes Bild von den Menschen dies
es Business machen konnte. Sie käme gerade von einem overnight-Termin mit einem Mann, der sie in der Nacht wie ein Kuscheltier an sich gepresst habe. „Entschuldige, dass ich gähne. Aber nach overnight-Terminen bin ich immer etwas müde. Ich schlafe dabei einfach nicht so gut.“ Ein Blick auf die Homepage von Kamilla Dee, dem exklusiven Bordell in Berlin-Wilmersdorf, indem sie anschafft, verrät: man muss sich nicht direkt Sorgen um ihre finanzielle Situation machen.
Während der gemeinsamen Nahrungsmittelaufnahme kam mir die Aufgabe zu, Sarah gelegentlich mit ihrem Handy zu fotografieren. Sie ist eine sehr foto- und telegene Erscheinung, wie sich mir schnell offenbarte. Dann tranken wir noch schnell einen Espresso – mitten auf dem Kurfürstendamm. Und dann unterhielten wir uns beim Schlendern – mitten auf dem Kurfürstendamm. Und dann durfte ich ihr ins Gesicht spritzen – mitten auf dem Kurfürstendamm. Letzteres fand natürlich nicht in aller Öffentlichkeit statt. Wir gingen dazu in einem dieser neumodischen, sehr gut ausgeleuchteten Großraumtoiletten, die der Erfinder im euphemistischen Überschwang selbst als Stadtmöbel tituliert, die sich hinter einem blitzartig schließen, nach jedem Toilettengang vollautomatisch gereinigt werden und den Luxus einer melodiöser Beschallung während des kleines oder großen Geschäftes anbieten. Geschätzt haben wir vor allen Dingen die hygienisch einwandfreie Lokalisation und die guten Lichtverhältnisse. Mir kam zunächst natürlich wieder die Aufgabe des Fotografen zu, der mit ihrem Handy zahlreiche Fotos machte: beim Schlendern auf dem Kudamm, beim Posieren auf dem B

oulevard und dann machten wir ein Bild mit Symbolcharakter. Wir standen vor einem Werbespruch in großen Lettern, auf dem eigentlich das Motto unseres Treffen als Kurzformel zusammengefasst war: BEREIT SEIN IST ALLES.
Wir standen beide in dieser Großraumtoilette und ich war eindeutig bereit. Sarah übrigens auch. Sie zog sich zunächst ihren dünnen Pullover, dann ihren Büstenhalter aus, ehe sie sich vor mir kniete und mir an der Hose rumfummelte. Klick, Klick, Klick. Jede neue Pose wurde mit einem Beweisfoto fürs weltweite Netz festgehalten. In meiner Hose fühlte ich mich allmählich spürbar zu eng. Sarah befreite mich mit einem Ruck vom nur noch behindernden Unterzeugs, wobei mein Jeansreißverschluss abbrach. In erwartungsgemäßer Manier präsentierte sie mir ihr Reinspritzgesicht als Wichshilfe und in ebensolch erwartungsgemäßer Form entlud ich meine Spermafontäne auf ihr Antlitz, wobei sie mich anfeuerte mit den Worten „ich liebe das“ und „ich hoffe, du kannst gut zielen“.
Auf der Toilette machten wir Fotos vom Endresultat, was durchaus ihre Anerkennung fand. Wir machten danach Fotos mit meinem aus ihrem Gesicht heruntertropfenden Sperma mitten auf dem Kurfürstendamm in aller Öffentlichkeit. Und wir konnten uns beide das Lachen nicht verkneifen. Ich drückte noch ein paar Mal auf den Auslöser, während sie sich von meinem Glibberzeugs im Gesicht mittels Taschentüchern befreite, wobei mir die ehrenvolle Aufgabe zukam zu kontrollieren, ob noch irgendwo Sperma an ihr klebe. Abschlussbild: Sarahs Spermagesicht vor unserem Motto in Riesenbuchstaben: BEREIT SEIN IST ALLES. Selten lag eine Reklametafel so richtig.
Sarah und ich setzen uns danach gemütlich aneinandergekuschelt in eine Bushaltestelle und besahen unsere fotographische Ausbeute. Ich begleite sie wieder zurück zur U-Bahnstation und dann verabschiedenden wir uns mit Küsschen voneinander. Kommt mir alles wie ein fantastischer Traum vor. War das geil. Lieber Gott, wenn es sich irgendwie einrichten lässt, könnte ab sofort jede meiner Mittagspausen exakt so verlaufen.